Umschuldung sinnvoll? Rechner, Rechenbeispiele und Tipps
Eine Umschuldung lohnt sich, wenn der neue Kredit über die gesamte Laufzeit weniger kostet als die bestehenden Verbindlichkeiten. Entscheidend sind effektiver Jahreszins, Restschuld, Restlaufzeit und Gesamtbetrag – so rechnen Sie es in wenigen Schritten selbst nach.
- Eine Umschuldung lohnt sich, wenn der Gesamtbetrag des neuen Kredits unter den verbleibenden Kosten der alten Kredite liegt – nicht, wenn nur die Rate sinkt.
- Für die Rechnung brauchen Sie vier Zahlen je Altkredit: Restschuld bzw. Ablösesumme, effektiver Jahreszins, Restlaufzeit und tragbare Monatsrate.
- Vergleichen Sie Angebote beim gleichen Betrag und der gleichen Laufzeit und nur über den effektiven Jahreszins nach § 17 PAngV.
- Bei den Partnern liegen die Sollzinssätze zwischen 3,99 und 15,99 Prozent, Laufzeiten zwischen einem und zehn Jahren – der konkrete Zins ergibt sich aus der Bonitätsprüfung.
- Nach der Ablösung Dispolinien und Kreditkarten reduzieren und einen Puffer von zwei bis drei Monatsraten aufbauen; bei Überschuldung hilft die kostenlose Schuldnerberatung.
Wann eine Umschuldung sinnvoll ist – und wann nicht
Eine Umschuldung ersetzt einen oder mehrere bestehende Kredite durch einen neuen Ratenkredit. Der neue Kredit löst die alten Verbindlichkeiten ab, danach zahlen Sie nur noch eine Rate an eine Bank.
Wirtschaftlich sinnvoll ist das in zwei Fällen: Der neue Kredit kostet über die gesamte Laufzeit weniger als die alten, oder die Monatsrate passt besser zu Ihrer Haushaltsrechnung, weil die bisherigen Raten zu knapp kalkuliert waren. Beides zugleich gelingt selten.
Kritisch wird es, wenn die Rate nur sinkt, weil die Laufzeit deutlich verlängert wird. Dann zahlen Sie zwar monatlich weniger, insgesamt aber oft mehr Zinsen. Genauso problematisch ist es, einen abgelösten Dispokredit oder eine freie Kreditkarte anschließend wieder zu nutzen – aus einer Umschuldung werden dann zwei Schulden.
- Dafür spricht: hohe Zinsen auf Kreditkarten, Ratenkäufen oder dem Dispo; mehrere Raten mit unterschiedlichen Terminen; ein alter Kredit mit deutlich höherem effektiven Jahreszins als aktuelle Angebote
- Dagegen spricht: nur wenige Monate Restlaufzeit; kaum Zinsunterschied; eine Rate, die Sie schon heute kaum tragen; die Absicht, die frei gewordenen Kreditlinien weiter zu nutzen
Die vier Zahlen, die Ihre Rechnung entscheiden
Bevor Sie einen Kreditrechner öffnen, brauchen Sie vier Angaben – und zwar für jeden bestehenden Kredit einzeln.
Erstens die aktuelle Restschuld. Fordern Sie bei der bisherigen Bank eine Ablösesumme zu einem konkreten Termin an; sie enthält die Restschuld, aufgelaufene Zinsen und gegebenenfalls eine Vorfälligkeitsentschädigung. Zweitens den effektiven Jahreszins des alten Vertrags, den Sie im Kreditvertrag oder in der letzten Jahresabrechnung finden.
Drittens die Restlaufzeit. Je kürzer sie ist, desto weniger Zinsen stehen noch aus – und desto geringer ist der Spareffekt einer Umschuldung. Viertens der Gesamtbetrag des neuen Kredits bei der Laufzeit, die Sie realistisch durchhalten.
Die Rechnung lautet dann: verbleibende Zinskosten der alten Kredite plus etwaige Ablösekosten gegen die Zinskosten des neuen Kredits. Liegt der neue Betrag klar darunter, ist die Umschuldung sinnvoll. Liegt er nur knapp darunter, prüfen Sie, ob der organisatorische Vorteil einer einzigen Rate den Aufwand rechtfertigt.
Mehrere Kredite bündeln: ein Rechenbeispiel
Typisch ist die Mischung aus einem laufenden Ratenkredit, einem Kreditkartensaldo und einem Ratenkauf. Jede Verbindlichkeit hat einen eigenen Zinssatz, eigene Termine und eine eigene Restlaufzeit.
Die folgende Tabelle zeigt, wie sich drei solche Kredite in einem Umschuldungskredit bündeln lassen. In Summe fallen für die drei Altkredite 500 Euro monatlich an, der gebündelte Kredit über 16.000 Euro liegt bei 315 Euro im Monat. Der Zinssatz von 6,79 Prozent entspricht dem Sollzinssatz aus unserem repräsentativen Beispiel.
Wichtig an diesem Beispiel: Die Laufzeit beginnt neu. Wenn einer der alten Kredite bereits in zwölf Monaten abbezahlt wäre, verlängern Sie diesen Teil der Schuld auf fünf Jahre. Rechnen Sie deshalb immer mit Gesamtbeträgen, nicht mit Monatsraten.
| Kredit | Restschuld | Zinssatz | Monatsrate |
|---|---|---|---|
| Kreditkarte | 4 000 € | 14,90 % | 138 € |
| Ratenkredit | 9 500 € | 9,90 % | 240 € |
| Ratenkauf | 2 500 € | 15,90 % | 122 € |
| Umschuldungskredit (5 Jahre) | 16 000 € | 6,79 % | 315 € |
Wie stark der Zinssatz die Kosten treibt
Der Zinssatz ist der größte Hebel einer Umschuldung. Bei den Partnern, die über diese Seite erreichbar sind, reichen die Sollzinssätze von 3,99 bis 15,99 Prozent pro Jahr, die Laufzeiten von einem bis zehn Jahren und die Beträge von 1.000 bis 100.000 Euro. Welcher Zins für Sie gilt, ergibt sich erst aus der Bonitätsprüfung.
Die zweite Tabelle zeigt für einen Kredit über 15.000 Euro mit zehn Jahren Laufzeit, wie Monatsrate, Zinskosten und effektiver Jahreszins auseinandergehen. Zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Sollzins der Partner liegt bei gleicher Laufzeit ein Unterschied von mehreren Tausend Euro an Zinsen.
Beachten Sie auch den Effekt der langen Laufzeit: Die Monatsrate wirkt moderat, die Zinskosten summieren sich aber über 120 Monate. Vergleichen Sie Angebote deshalb nur bei identischem Betrag und identischer Laufzeit, sonst vergleichen Sie zwei verschiedene Kredite.
Maßgeblich ist immer der effektive Jahreszins. Er muss nach § 17 PAngV angegeben werden und enthält neben dem gebundenen Sollzinssatz die preisbestimmenden Kosten des Kredits.
| Sollzins p.a. | Monatsrate | Zinskosten | Effektivzins p.a. |
|---|---|---|---|
| 3,99 % (niedrigster Sollzins unserer Partner) | 152 € | 3 216 € | 4,06 % |
| 6,79 % (Zinssatz im repräsentativen Beispiel) | 173 € | 5 705 € | 7,01 % |
| 11,00 % | 207 € | 9 795 € | 11,57 % |
| 15,99 % (höchster Sollzins unserer Partner) | 251 € | 15 141 € | 17,22 % |
Dispokredit in einen Ratenkredit umschulden: Ersparnis einschätzen
Der Dispokredit ist die teuerste Dauerlösung im Haushalt, weil er variabel verzinst wird und keine feste Rückzahlung vorsieht. Wer seit Monaten im Minus steht, zahlt Zinsen, ohne die Schuld zu verringern.
Für die Ersparnis brauchen Sie zwei Zahlen: Ihren aktuellen Dispozinssatz und den effektiven Jahreszins eines Ratenkredits über denselben Betrag. Den Dispozins finden Sie im Preis- und Leistungsverzeichnis Ihrer Bank sowie auf dem Kontoauszug; er kann sich ändern, der Sollzinssatz eines Ratenkredits ist dagegen in der Regel über die Laufzeit gebunden.
Der zweite Vorteil ist die Tilgung: Der Ratenkredit hat einen festen Endtermin, der Dispo nicht. Kredite ab 1.000 Euro sind bei den Partnern möglich, sodass sich auch kleinere Kontoüberziehungen ablösen lassen.
Angebote für die Umschuldung richtig vergleichen
Beim Umschuldungskredit vergleichen Sie mehr als den Zins. Diese Punkte stehen in den Europäischen Standardinformationen für Verbraucherkredite, die Sie vor Vertragsschluss erhalten.
Nutzen Sie für Angebote eine SCHUFA-neutrale Konditionenanfrage. Sie zeigt Ihnen den persönlichen Zinssatz, ohne einen Eintrag als Kreditanfrage zu hinterlassen. Reichen Sie dagegen gleichzeitig mehrere verbindliche Anträge ein, kann das Ihre Bonitätsbewertung belasten.
Bearbeitungsgebühren für die Kreditvergabe sind bei Verbraucherkrediten nicht zulässig. Eine Restschuldversicherung ist freiwillig; sie verteuert den Kredit und muss im effektiven Jahreszins ausgewiesen werden, wenn sie Voraussetzung für die Vergabe ist.
- Effektiver Jahreszins für Ihren Betrag und Ihre Laufzeit – nicht der Werbezins ab-Satz
- Gesamtbetrag, also die Summe aller Raten
- Kostenlose Sondertilgung und vollständige vorzeitige Rückzahlung
- Vorfälligkeitsentschädigung: Höhe und Berechnung im Vertrag
- Ablöseservice: Überweist die neue Bank direkt an die Altgläubiger?
- Flexibilität wie Ratenpause oder Ratenanpassung und deren Kosten
- Ob eine Restschuldversicherung angeboten oder vorausgesetzt wird
Schritt für Schritt zur Umschuldung
Mit einer festen Reihenfolge vermeiden Sie Lücken, in denen zwei Kredite parallel laufen.
Planen Sie zwischen Antrag und Ablösung einige Wochen ein. Bis die alte Bank den Eingang bestätigt, laufen die alten Raten weiter – halten Sie dafür Deckung auf dem Konto bereit.
- Alle Verbindlichkeiten auflisten: Restschuld, effektiver Jahreszins, Rate, Restlaufzeit
- Ablösesummen zum Wunschtermin schriftlich anfordern
- Eigene Haushaltsrechnung aufstellen: Einnahmen minus feste Ausgaben minus Puffer ergibt die tragbare Rate
- Mit einem Kreditrechner den Gesamtbetrag für verschiedene Laufzeiten prüfen
- Konditionenanfragen bei mehreren Anbietern stellen und die effektiven Jahreszinsen vergleichen
- Vertrag und Standardinformationen prüfen, dann beantragen und Unterlagen einreichen
- Ablösung der Altkredite bestätigen lassen, Kreditkarten und Dispolinien schließen oder reduzieren
Risiken, Grenzen und Alternativen
Eine Umschuldung löst ein Zinsproblem, kein Einnahmenproblem. Wenn die Summe der Raten dauerhaft über dem liegt, was Ihr Haushalt trägt, verschiebt ein neuer Kredit die Belastung nur nach hinten.
Rechnen Sie außerdem damit, dass nicht jeder Antrag zu den günstigsten Konditionen führt. Banken prüfen Einkommen, bestehende Verpflichtungen und Bonitätsdaten; der Zinssatz ist bonitätsabhängig, und eine Zusage kann niemand im Voraus garantieren. Angebote, die eine Kreditvergabe ohne Bonitätsprüfung versprechen, sollten Sie meiden.
Prüfen Sie vor dem neuen Kredit die zinsfreien Wege: Rücklagen auflösen, teure Kleinschulden zuerst tilgen, Verträge kündigen, eine Ratenvereinbarung mit dem Gläubiger treffen. Bei dauerhafter Überschuldung hilft die kostenlose Schuldnerberatung der Kommunen oder anerkannter Träger; die Verbraucherzentrale prüft Verträge und informiert über Ihre Rechte.
Achten Sie darauf, dass Anbieter und Vermittler in Deutschland der Aufsicht der BaFin unterliegen. Bauen Sie nach der Umschuldung einen kleinen Notgroschen auf – schon zwei bis drei Monatsraten verhindern, dass die nächste unerwartete Rechnung wieder auf dem Dispo landet.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ab welcher Zinsdifferenz lohnt sich eine Umschuldung?
Eine feste Grenze gibt es nicht, weil es auf die Restlaufzeit ankommt. Bei einer Restschuld, die noch Jahre läuft, kann schon ein oder zwei Prozentpunkte Unterschied im effektiven Jahreszins mehrere Hundert Euro ausmachen. Läuft der Kredit nur noch wenige Monate, bleibt selbst eine große Zinsdifferenz wirkungslos. Rechnen Sie deshalb immer die verbleibenden Zinskosten des alten Kredits gegen den Gesamtbetrag des neuen.
Kostet die vorzeitige Ablösung eines Ratenkredits eine Vorfälligkeitsentschädigung?
Bei Verbraucherkrediten mit gebundenem Sollzinssatz darf die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Sie ist gesetzlich begrenzt auf höchstens ein Prozent der vorzeitig zurückgezahlten Restschuld, bei einer Restlaufzeit unter einem Jahr auf höchstens 0,5 Prozent. Manche Verträge erlauben die kostenlose Rückzahlung. Die genaue Höhe für Ihren Fall nennt die Bank in der Ablösesumme; die Regelung selbst steht in Ihrem Kreditvertrag. Beim Dispokredit fällt keine Vorfälligkeitsentschädigung an.
Kann ich mehrere Kredite und den Dispo in einer Umschuldung bündeln?
Ja, das ist der häufigste Fall. Sie addieren die Ablösesummen aller Verbindlichkeiten – Ratenkredit, Kreditkarte, Ratenkauf, Kontoüberziehung – und beantragen diesen Betrag als neuen Ratenkredit. Viele Banken überweisen die Beträge direkt an die Altgläubiger. Prüfen Sie anschließend, dass alle Konten tatsächlich ausgeglichen und die Kreditlinien geschlossen oder reduziert sind, sonst entsteht neue Schuld neben der neuen Rate.
Welche Laufzeit sollte ich für den Umschuldungskredit wählen?
So kurz, wie Ihre Haushaltsrechnung es dauerhaft trägt. Eine längere Laufzeit senkt die Monatsrate, erhöht aber die Zinskosten deutlich, wie die Tabelle zum Zinseinfluss bei zehn Jahren Laufzeit zeigt. Sinnvoll ist, zwei oder drei Laufzeiten im Kreditrechner zu vergleichen und die kürzeste zu nehmen, bei der nach der Rate noch ein Puffer für unerwartete Ausgaben bleibt. Kostenlose Sondertilgungen verschaffen zusätzlichen Spielraum.
Schadet eine Umschuldung meiner Bonität?
Ein neuer Kredit wird bei der Auskunftei vermerkt, die abgelösten Kredite werden als erledigt geführt. Unterm Strich ändert sich die Gesamtverschuldung kaum, die Struktur aber oft zum Besseren: eine Rate statt mehrerer, feste Laufzeit statt dauerhafter Kontoüberziehung. Wichtig ist, für den Vergleich eine SCHUFA-neutrale Konditionenanfrage zu nutzen und nicht mehrere verbindliche Kreditanfragen parallel zu stellen.
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